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Donnerstag, 2. Juli 2009
UND KANN BITTE MAL EINER DAS WETTER AUS MACHEN?!
ratte
04:40h
Franken lieben Sommerwetter, das nasskalt und regnerisch ist, und ich bin eine Fränkin. Ich bin hier gezeugt, geboren und aufgewachsen und defloriert worden. Zwingt mich nicht zum Auswandern nach Irland (steuerfreiheit!) oder so. Das wäre dann die Rache für den Missionswahn des Heiligsten aller Heiligen Bonifatz nebst Kollegen samt Kilian und Konsorten. Ich will nur zwei Dinge neben Wein, Käse, Tabak, Kaffee, Büchern und Hörspielen: bei Nieselwetter die Sonne genießen und in aller Seelenruhe meine Garage vollmüllen.
Ich müsste in Irland anfangen Bratwürste zu stopfen und Wein anzubauen. Das kann nicht der Wunsch der Iren sein. Auf der anderen Seite haben die Franken und die Iren eins gemeinsam: ihren Hang zur Trunkenheit und ihren Hang zur stumpfsinnigen Dauer-Frustration ohne Grund (Wetterbedingt). Das fränkische Land ist karg in jeglicher Hinsicht, "Fruchtbar" ist man hier nur in der Raffung von komplizierten Aussagen. Was bei Wittgenstein 1000de von Seiten füllt, sagt der Franke mit einem Wort: "Schaumeramool." Aber das mit dem Wetter grad, das geht echt zu weit. Das Klima kann sich ja ruhig wandeln, aber dann soll es sich gefälligst hinter die Ohren schreiben: hier ist man IMMER 10 Jahre hinterher. Als die Welt die New-Economy-Kriese erlebte, entdeckte Franken, dass es Computer gibt. Wär sonst nicht aufgefallen. ... Link (1 comment) ... Comment
Nomenomenklatur.
ratte
04:39h
Das ist doll. Jetzt tut mir nicht nur der Kiefer rechts oben im Ohr weh wegen dem Zähneknirschen, sondern auch noch der Kiefer links unten, weil sich frisch gezogener Zahn und Yohgurt nicht verträgt (dabei war ich sonst so gut in Schwangerschaftsverhütung...). Das bzw. die notwendigen Gegenmaßnahmen wirken sich irgendwie auf die Rechtschreibung aus. Und noch son paar andere dämliche Sachen. Ich fang an, mit Büchern zu diskutieren, weil mir deren Wörter nicht gefallen.
Da ist diese Sache mit den Web-Grafiken / Navigations-Elementen, die laut Buch "speichenförmig" angelegt sind (den englischen Begriff habbich jetzt grad nicht auswendig). Vor 100 Jahren gab es weder Bücher zu dem Thema noch Bezeichnungen, die einem irgendwer beigebracht hätte, und in so nem Fall erfinde ich meine eigenen Wörter. Bei mir heissen die Dinger "Spider". Seit über 10 Jahren. Gut. Ich kann ja verstehen, dass Männer auf die Idee mit den Radspeichen kommen, schließlich komm ich aus ner Radfahrer-Familie, hab einen Radschrauber geheiratet und ein Kind in die Welt gesetzt, das sich als Schüler die Nebenjobs in Fahrrad-Schrauberstätten selbst aussuchen konnte. Aber Räder rollen. Spiders rollen nicht, sie krallen sich in diverse Richtungen. Ob die Web-Szene ihre Bezeichnungen ändert, wenn ich das Buch nur lange genug anschreie oder gegen die Wand haue? ... Link (0 comments) ... Comment
Kung-Fu Bär.
ratte
04:38h
Und dann guckt er mich an mit seinen blauen Augen, die sagen "ach Mama, ich wünsch mir das soooo sehr..." (der kann das gut. Wirklich.)
"Kann dir Papa nicht den Film kaufen?" Und dann guckt er ganz geknickt und schüttelt mit dem Kopf. Ich verstehe. Es ist der Job von Papas, Actionfilme zu besorgen. Alles was irgendwie wischen Terminator und Dino-Leichen liegt. Und Konsolen-Spiele natürlich. Das ganze DVD-Regal quillt über davon, und ich geb zu, dass ich die Dinger immer ganz oben hinten verstecke, denn was Kind nicht sieht, will Kind nicht sehen. Naja, wenn ich mein Kind jemals verlieren sollte, dann weiss ich, dass ich ihn zwischen dem Lego und den DVDs wiederfinde. Ich muss nur wissen, welcher dafür zuständige Laden grad in der Nähe ist. Und ich bin heilfroh, dass ich ihn noch nicht aus amazon rauskramen muss. ... Link (0 comments) ... Comment Mittwoch, 1. Juli 2009
Kopfkino.
ratte
16:23h
"Küss mich... oder ich sterbe vor verlangen..." seufzt es höchst erotisch aus der Stereoanlage.
Hin und wieder beglückt mich der Mega-Store um die Ecke mit den Wieder-Auflagen der Hörspielserien, die ich schon als Knirps bevorzugt in den Kassettenrekorder gestopft habe. "???" werden ja noch heute produziert, und ich bin süchtig danach. Ich habe in Erfahrung gebracht, dass die Sci-Fi-Serie meiner Jugend ("Commander Perkins"), gegen die "Star-Trek", "Raumschiff Orion" oder "Mondbasis Alpha 1" ein Schwachmatenabklatsch sondersgleichen waren, beim Hersteller via Internet und neu aufgelegt als Komplett-Paket zu bekommen ist. Das fühlt sich an, als wäre man ein Vampier, der seit Monaten nichts zu lutschen hatte. Glücklicherweise kenne ich meinen Kontostand immer recht gut, also wurde die Kollektion nicht in den Warenkorb geschoben. Man kann sich die Verzweiflung vorstellen? Ich kann auf Schuhe und Unterwäsche verzichten, aber nicht auf Hörspiele. Nein, für meine Hörspiele bin ich bereit, auf Schuhe und Unterwäsche zu verzichten. So rum. Lieber barfuß, als ohne Buch und ohne Hörspiel. Nun hab ich auf dem Weg durch die schlecht sortierten Re(g)al-Labyrinthe (jedes Labyrinth ein Erfahrungstrip für sich) das Hörspiel "Dracula - Jagd der Vampiere" nach Bram Stoker gefunden. Neben dem üblichen Kinder-Quark, der an Debilität kaum zu überbieten ist. Zu meinen Zeiten hat man Kinder noch mit Bildung und dem richtigen Leben konfrontiert - heute sind sich Hersteller wie Ladenbesitzer einig, dass Hörspiele Elterngerecht sein müssen. Sogar die "???"-Storys gibts bereits in der labberig-dementen "Kids"-Version. Mir ist als Kind nie aufgefallen, dass auf diesen alten Hörspielen die Post abgeht, und die Sprecher echt die Sau rauslassen. Als Liebhaber von "Winnetou" HÖRT man, wie das Messer in Rhett Buttlers Körper saust, und dass sowas echt wehtun muss, denn der Kerl brüllt und heult, dass es einem durch Mark und Bein geht. In heutigen Produktionen bleibt eine solche Szene eher ein Abstraktum, weil der Held ja disneylike nicht sterben darf und auch keinen Schmerz empfinden darf. Hach, was sag ich: allein dass ein Sauhund BESTRAFT wird, gehört nicht ins bundesdeutsche Kinderzimmer des 21.Jahrhunderts. Die quietschige Sterilität der heute verkauften Hörspiele allerdings hat dazu geführt, dass ich, als Bibi Blocksberg auf dem Vormarsch war, das Neukaufen von Hörspielen lange boykottiert habe. Sowas, dachte ich instinktiv, kann man Kindern nicht zumuten, weil sie sonst verblöden. Was den Schluss zulässt, dass auch die Hörspiel-Autoren früher echte Meister der Spannung waren, und die Produzenten echte Profis im Stimmungen-Erzeugen. Sowas scheint heute verboten. Ich hab den "Dracula" jedenfalls sehr genossen :) ... Link (0 comments) ... Comment
Zauberstab und Giftmixtur.
ratte
16:23h
Als Mutter von 2 Kindern weiss man: die Theorie ist das eine, die Wirklichkeit das Andere, und die Realität besteht zumeist darin, das leibhaftig zu akzeptieren - und einen Weg zu finden, die Theorie gründlich in die Tonne zu kloppen. Nicht ganz ohne Grund wird von einem Rabbi erwartet, dass er mindestens drei Kinder hat, und nicht ohne Grund sind zölibatäre (was nicht heisst, dass sie keine Kinder haben, sie tun nur so als hätten sie keine) katholische Priester Dogma-Fans, die kramfhaft versuchen, die Theorie Wirklichkeit werden zu lassen.
Da ist zum Beispiel die Sache mit dem Essen. Dank diverser Kochsendungen (die sich meine Kinder übrigens bevorzugt ansehen) und dem aktuellen Trend des Hobbykochens (dessen Geheimnis es eigentlich ist, dass man auch darin echte Übung braucht - theoretisch ist jeder Hobbykoch ein Meister, praktisch eher weniger, wenn man die Sendungen mal in näheren Augenschein nimmt) angepasst, kann man sich als pädagogisch kompetenter (Pädagogik ist auch so eine Sache für sich, die man sich als Elter besser abgewöhnt) Erwachsener für sein Kind ein kindgerechtes Kochbuch erwerben, in denen mit Lachgesichtern verzierte Käsebrote und Gurkenschiffe abgebildet sind. "Was Kinder gerne essen" heisst es da so schön. Was nichts an der Tatsache ändert, dass Kinder sehr spezielle Vorlieben haben. Wenn ein Kind keinen Käse mag, dann wird es das Käsebrot mit Lachgesicht erst recht nicht essen - denn da ist jetzt auch noch Gemüse drauf. Und das Kind, das freiwillig etwas aufisst, was es hasst, muss erst erfunden werden. Man kann sich selbst einen unglaublichen Stress und Frust machen, indem man diesen Umstand nicht akzeptiert. "Jetzt hab ich zwei Stunden in der Küche gestanden um dir ein gesundes Essen zu kochen, also ISS DAS GEFÄLLIGST". Wer kennt ihn nicht, diesen verzeifelten Gedanken. Der, ausgesprochen, den Effekt eines geruchslosen Furzes hat. So liebt eins meiner Kinder Oliven. Aber ein Pesto aus Oliven isst das Kind nicht. Das Kind mag es, wenns "pikant" ist - aber Gewürze, speziell Kräuter, scheut das Kind wie der Teufel das Weihwasser. Warum? Weil dieses kleine, dunkle Zeug die Assoziazion von "Schmutz" erweckt. Man kann ein Gewürz das man sieht, nicht "einordnen". Was zunächst unlogisch erscheint, ist von einer ganz anderen Warte aus völlig logisch. So habe ich mich immer gefragt, warum dieses Kind MEINE Spagettisoße NICHT isst, die spezielle aus dem Glas aber schon. Der Unterschied liegt aber auf der Hand: die spezielle Fertigsoße ist PÜRIERT. Seitdem hat der Zauberstab Hochkonjunktur. Das ändert aber nichts an den grünen, frischen Kräutern, was trotzdem logisch ist. Der Mensch hat einen Instinkt, der sagt: was grün ist, ist giftig. Ich liebe Waldmeister-Aroma, und das Zeug ist meist knallgrün, aber mein Kind isst keinen grünen Wackelpudding. Warum soll also ein Kind mit diesem Instinkt "dreckiges" oder "giftiges" Pesto, grünen Wackelpuddig oder SALAT essen, wenn der Instinkt sagt, dass das Zeug tödlich sein muss. Das andere ist, dass es tatsächlich Lebensmittel gibt, die man nicht mag. Frau W. mag keinen Schimmelkäse und keinen Meerettich. Kind 1 keine Tomaten und Pilze. Ich hingegen mag kein süß-sauer, keine Vollkornprodukte und keine fettriefenden Sachen/Sahne/Vollmilch. Kind 2 mag keinen Kohl oder Hackfleisch. Andere mögen kein Brot oder keine Nudeln - und später stellt sich heraus, dass sie Zöliakie haben. Es gibt Menschen, die prinzipiell so essen, dass sie sich langfristig umbringen, und dann stellt sich heraus, dass das psychische Ursachen hat. Hat man also eine Aversion, halte ich es persönlich für möglich, dass einem das Zeug eben nicht gut tut. Es muss nicht immer Bequemlichkeit oder Ignoranz sein. Es könnte sein, dass man langfristig stirbt, wenn man noch längerfistiger essen muss, was man eben einfach nicht mag. ... Link (0 comments) ... Comment Samstag, 27. Juni 2009
Tante E.s Erb-Reclams.
ratte
01:41h
Ich hatte es versprochen. KEIN BUCH IM JAHRE 2009 ÜBER GÖTTERTHEMEN. Bisher hab ich das ganz gut durchgestanden. Keine Sagen mehr, keine heiligen Bücher, keine theologischen Abhandlungen, nix. Und dann bin ich doch schwach geworden, und hab das amüsante Buch (amüsant sind Jesus-MariaMagdalena-Dynastie-Gschichterln oder so) aus lauter schlechtem Gewissen in einem Rutsch innerhalb von 24 H durchgeknabbert wie ne Kiloschachtel laktosefreie Pralinen, von der man keine Cellulite kriegt. Und hab mich dabei königlich amüsiert.
Wieso kann ich nicht wie jeder normale Mensch einfach mal einen ROMAN lesen? Wie krank muss man denn sein, dass einem der Thrill von Henning Mankell nicht ansatzweise so wegbeamt wie eine Christa Mulack oder eine Uta Heinemann? Aus lauter Verzweiflung hab ich jetzt angefangen, die in meinem Bücherschrank vorhandenen Reclams in Fraktur zu lesen, die in diesem grad ausgelesenen Schinken so im Literaturverzeichnis rumstehen, und die ich nie gelesen habe. Aristophanes seine "Frösche" zB. Und jedesmal wenn ich Aristophanes-Stücke lese, meine ich, dass der Bursche unbedingt ins Fränkische adaptiert werden MUSS. Ich weiss nicht, ob meine Großtante E., von der ich die Dinger einst geerbt habe (wie eine ganze Sammlung ganz wundervoller anderer Bücher) diese Stücke je gelesen hat, aber die "Frösche" ganz sicher, denn es ist zerfleddert. Sie muss einen argen Hang zu Shakespeare gehabt haben, bis auf den "Sturm" habbich das Gesamtwerk in diesen alten Reclam-Einzelblättern hier, und den Schiller-Stücken fehlen regelmäßig die Deckblätter. Wenn mich meine Oma ärgern wollte, sagte sie immer "Du bist schon wie die Tante E.", und ich empfinde das eigentlich noch heute eher als ein Lob als eine Kritik. Die Frau besass alles, von Plato bis Nietzsche, von Voltaire über Diderot bis Tolstoi, und all diese Bücher wollte keiner haben, als wir sie an meinem 14. oder 15. Geburtstag beerdigten. Es ist eines der Stücke sogar in ein Familien-Puzzle eingepackt. Eine Maschinen-geschriebene Liste mit diversen Kaffeesorten und deren Preisen aus dem Jahr 1965. Tante E.s Mutter stammte aus einer Frankfurter Kaffee-Röster-Familie. ... Link (0 comments) ... Comment
Fit for Frust.
ratte
01:40h
Jetzt kämpfe ich mich von Arzt zu Arzt, und sollte eigentlich happy sein, dass ich seit ein paar Tagen mit nur gaaaanz wenigen Schmerzmitteln auskomme (solange ich nur Breichen esse, mir Watte ins Ohr stopfe und mit der Zunge zwischen den Backenzähnen herumlaufe). Nun hab ich mir ein großes Blutbild machen lassen und ein EKG, und in freudiger Erwartung auf meinen baldigen Tod (vor zwei Jahren waren alle möglichen Sachen ziemlich im Eimer) sacht doch der Doc glatt, dass ich erschreckend gute Werte hab und mindestens noch 30 Jahre leben werde. (Trotz Rauchen, Fleisch und Alkoholkonsum).
Das beunruhigt mich zutiefst. Auf der anderen Seite handelt es sich um denselben Arzt, der mal ganz böse mit mir geschimpft hat, weil mir Gott und die Welt weißmachen wollte, "vegane Lebensweise" sei der Gesundbrunnen überhaupt, und Salz das Gift, das uns alle umbringt. Ich hab es dann mit einer veganen, salzarmen Ernährung versucht, und bin glatt zusammengeklappt und mit einem Blutdruck von 40/50 von der Schule aus zum Doc mehr gekrochen als gelaufen. Seitdem spare ich nicht mehr mit Salz, esse Fleisch und Fisch und Milchprodukte wo ich kann, trinke exzessiv Kaffee, rauche wie ein Kugelgrill, trinke sogar Alkohol, verzichte aber im Gegenzug konsequent auf Vollkornprodukte (nicht Bio, nur Vollwert). Und jetzt sagt man mir, ich bin damit gesünder als erlaubt. Auf der anderen Seite stehen Gyn und Hautarzt noch an, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, es gibt noch Hoffnung auf Rentenverzicht. ... Link (0 comments) ... Comment Dienstag, 16. Juni 2009
Dentalismus.
ratte
19:14h
Seit Tagen habe ich Horror vor dem Zahnarztbesuch heute, weil ich einen Zahn gezogen bekommen muss. Nicht wegen dem Schmerz, daran bin ich ja nun mittlerweile gewöhnt, sondern weil man mit einem offenen Kiefer ja mindestens drei Tage nicht rauchen darf. Ich hab dann irgendwie beschlossen, das Problem mit Nikotinpflastern zu beheben. Die Dinger wollte ich eh mal ausprobieren, für den Fall, dass ich mal wieder im Flugzeug sitzen muss. Das ist in jedem Fall eleganter als comatös herumzuzucken und gegen alles zu semmeln, was einem im Weg steht, und dummes Zeug zu reden (und das zu ich auch ohne Entzug schon zur Genüge).
Statt dessen habe ich nun verstanden, wo meine Zahnarzt-Phobie herkommt. Der kommt von meiner ehemaligen Zahnärztin, die offenbar nie lange genug gewartet hat dass die Betäubung anschlägt, oder einfach nicht genug von den Zeug in meinen Kiefer gepumpt hat, und auch nie für Schmerzmittel in der Nachsorge plädiert hat. "Stellen Sie sich nicht so an" sagte sie immer. Ich saß dann heute da und wartete auf den Zeitpunkt der Rückkehr des Zahnarzt-Teams, nachdem man mir die Betäubung verpasst hatte, und hatte einen ziemlich guten Tripp. Zum ersten Mal im Leben. Ich leb ja sonst wie die Jungfrau Maria, Drogentechnisch gesehen. Es war dann wie früher, vor dem Burnpout: man hockt da einfach und haluziniert sich irgendwelche coolen Bilder zusammen, dann geht man malen oder hat Sex. Das Betäuben der linken Kopfhälfte scheint mir die Synappsen freigeballert zu haben, incl. der Hemisphäre samt kortikalen Filterfunkionen. Um mich herum entsteht die Szenerie meiner Kindheit aus dem Film "Karius und Baktus", echt dolle Architektur, da kann man was draus machen. Die vom Wind bewegten Blätter vor dem Fenster flüstern "Zähne sind sooo sensibel... wir sind komplex uns sensibel wie alles, was man unters Mikroskop schieben kann." Ich frage die Helferin nach Papier und Stift, aber leider nimmt sie mich nicht wirklich ernst. Alles muss man selber mitbringen. Der Zahn ist nun raus, und auf meinem Arm klebt ein Nikotinpflaster. Das dicke für die Kettenraucher. Die Apothekerin warnte noch: "aber rauchen dürfen Sie jetzt nicht mehr, sonst kriegen Sie zuviel Nikotin und es wird Ihnen kotzübel". Nachdem das Pflaster aber in etwa so wirkt wie ein Leukoplumms-Bapperl, hab ich mir eben DOCH noch eine Zigarette reingepfiffen und dann noch eine, denn der Tampon klebt mir ja noch zwischen den Zähnen - und mir ist NICHT schlecht geworden. Vielleicht hab ich das Mistding ja einfach nur falsch aufgepeppt? Naja, jetzt pfeiff ich mir via Strohhalm erst mal einen Schokopudding rein, und warte auf das Abklingen der örtlichen Betäubung. Aber Schmerz bin ich ja nun gewöhnt (und ich stehe NICHT drauf. Nein, ich werde MIT SICHERHEIT kein Kind mehr gebären, zwei reichen völlig), schließlich bin ich eine Frau. ... Link (0 comments) ... Comment Montag, 8. Juni 2009
ratte
03:49h
das schlimmste, was einer frau in meinem alter passieren kann, wenn sie vor angstschweiß triefend, mit ruinierter frisur und ihres make-ups verlustig, halbtot von klinikum zu klinikum geschleift wird um sich diverse apparate in diverse körperöffnungen stecken zu lassen, gepiekt und abgetastet wird: gutaussehende ärzte.
... Link (2 comments) ... Comment Mittwoch, 3. Juni 2009
Wein-Dorf.
ratte
00:04h
Jedes Jahr findet in Würzburg, unserer über alles katholischen, geliebten und vergötterterten Heimatstadt, das "Weindorf" statt. Das bedeutet: ein Jahrmarkt der Weinverkäufer, die sich mit Bierbänken umgeben, um halb Würzburg für eine gewisse Zeit den Vollsuff zu verpassen (normalerweise fahren nämlich die WÜer raus aufs Kaff, um DORT auf Weinfesten ihre Freizeit zu verbringen). Das ist quasi wie ein EU-Spektakelder Möchtegern-Superlative, während in Bayern die Bauern noch über ihre Milchpreise quasseln.
Nein, nix gegen das Weindorf. Alte Hasen haben noch ihre Seidel vom vor-vor-letzten Jahr und bringen ihren eigenen Wein mit. Wer es schafft, auf dem Weindorf alte Bekannte wiederzutreffen ohne sich vorher mit ihnen verabredet zu haben, gehört zur Haute Volé der Stadt, er ist Teil der "Szene". (Ich geb zu, ich hab nur einen alten Dozenten gesehen, bei dem ich nie ein Seminar belegt habe (und von dem ich nicht einmal weiss wie er heisst), und meinen Nachbarn, für den ich mehr schwärme als es gesund ist (von dem ich auch nicht weiss wie er heisst)). Meine entsprechenden Dates fanden in der Straba auf dem Heimweg statt, als ich von schlechtem Wein derart abgefüllt war, dass es mir nicht mehr peinlich war. Seis drum. Nun verstehe ich, warum die Auswärtigen ("Preußen") den einheimischen Frankenwein nicht mögen. Denn auf diesem Weindorf wird nur der Wein verkauft, den halb Franken selbst nicht trinken würde. Franken ist eine Region mit hunderter kleiner Winzer, die alle einen hervorragenden Wein keltern, mit Ausnahme der "grossen" Weinkellereien. Irgendwie kippen die alles zusammen, was nicht zusammen gehört. Da nützt auch das Label "350 Jahre Silvaner in Franken" nix. Die Lage eines Spitals "am Stein" ist meine persönlich favorisierte Lage, aber eben nicht jederfraus Fall. Er schmeckt ein wenig pilzig, nach Champagner eben. Nicht jedermanns Fall. Mit "Cyrianusberg" oder "Kirchberg" (egal aus welchem Kaff) kann man mich üblicherweise jagen, denn den besten aller Weine keltern die Hammelburger, die Donnersdorfer und die Karlstädtder (und dann kommts auch da drauf an, welche Rebsorte, denn nicht jede Rebe verträgt jeden Boden). Das sind aber Winzer, die auf einem "Event" wie dem "WÜer Weindorf" nicht so wirklich was verloren haben. Sowas findet man nur auf den Weinfesten auf dem Kaff. Weswegen der Frankenwein-Liebhaber seine Freizeit betrunken auf irgendwelchen Weinfesten auf dem Kaff am Ende der Welt verbringt, und nicht eben auf dem "Weindorf". Außerdem fehlte mir ein Met-Stand. Man kann aus Traubensaft nämlich auch hervorragenden Met brauen. Und was mir sowieso fehlt, ist mein eigener Buchladen direkt an der Marienkapelle, der nix besseres zu tun hat als "Sagen und Märchen"-Bücher zu verkaufen, zudem alles zur Stadtgeschichte und unterm Ladentisch die gesammelten Werke der Hexenliteratur samt Kraut. Was lernmer draus? Dass es besser ist, sich auf dem Kaff bewirten zu lassen, egal ob Speis oder Trank (obwohl die Woscht vom Schömich echt legger war). Einen besseren Leberkäs als den vom Kneuer hier in Grombühl kriegt man in der ganzen Stadt nicht, und einen besseren Wein als den von einem mehr oder weniger unbekannten Winzer auch nicht. Als Fränkin liebt man also das Unbekannte - schon, um seine Geschmacksnerven nicht zu enttäuschen. Der Rest ist eher zum Weinen. Vielleicht heisst es deswegen "Wein-Dorf". ... Link (2 comments) ... Comment ... Next page
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last updated: 2009.07.03, 12:24 Youre not logged in ... Login
ENDLICH ein Mensch, der mich
versteht! ;-)
Mit Steuerfreiheit in Irland ist es übrigens...
by karan (2009.07.03, 12:24)
UND KANN BITTE MAL EINER
DAS WETTER AUS MACHEN?! Franken lieben Sommerwetter, das nasskalt und...
by ratte (2009.07.02, 04:40)
Nomenomenklatur. Das ist doll. Jetzt
tut mir nicht nur der Kiefer rechts oben im Ohr...
by ratte (2009.07.02, 04:39)
Kung-Fu Bär. Und dann guckt
er mich an mit seinen blauen Augen, die sagen "ach...
by ratte (2009.07.02, 04:38)
Zauberstab und Giftmixtur. Als Mutter
von 2 Kindern weiss man: die Theorie ist das eine,...
by ratte (2009.07.02, 04:37)
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