Mittwoch, 7. Januar 2015
Calimba de Porta.

Schreiben ist eine tolle Sache, wenn man denn die Zeit dazu hat.
Und wenn man weiss, über was man schreiben soll oder will. "Bei uns" in den Geisteswissenschaften is das ja son büschn anders als bei den Naturwissenschaftlern, da kommt man ausm Lesen nicht mehr raus, aus dem "Reflektieren" und durchbrüten des Gelesenen erst recht nicht mehr. Was dann bleibt ist in meinem Fall ein Haufen Skizzen.
Man mags nicht glauben, aber in den Geisteswissenschaften schreiben sie sich einen Wolf um zu beschreiben, was man mit Worten eigentlich nicht ausdrücken kann (z.B. den ganzen Kram um interirgendwas Kommunikation oder das semiotische Dreieck), und in der Tat, das mit den Worten ist schwierig. Weil Wortbedeutungen sich verändern und manchmal einen anderen fachlichen oder persönlichen Hintergrund haben. In Disziplin A nennt es sich "Marimba", in Disziplin B "Baubasi" und in C von mir aus "Kuckispuck", weil es sich parallel, zeitgleich und ansatzweise abgeschottet entwickelt hat. Das einzige, auf was die nie kommen, ist, das alles mal zu zeichnen. Stukturgrafiken ja. Aber damit hörts dann auch auf, denn diese Strukturgrafiken sind echt haarig zu dechiffrieren.

Auch lustig: 2008 oder 2009, so genau weiss ich das nicht mehr, schrieb ich den Entwurf zum Essay "Apokalypse unterm Weihnachtsbaum". Seitdem nerven mich die Leute, ich möge das doch bitte endlich fertigschreiben. Was ich bis Dato nicht konnte, weil mir schlicht die Zeit fehlte, die Lücken nachzurecherchieren. Man muss ja wissen: wissenschaftlich Schreiben bedeutet: Quellen angeben. Und in der Konsequenz bedeutet es: auch wenn ich den Entwurf damals in 4 Wochen auf 78 Seiten runtergerutscht habe, es hätte allein für die Quellen-Nachrecherche schlappe 6 Monate gebraucht. Das Urgestein der Kulturanthropologie Herrmann Bausinger hat seine Gründe, warum er in seinem letzten größeren Text kommentierte, man wisse jetzt dass er sich das alles nicht aus den Fingern sauge und er hätte jetzt einfach keinen Bock mehr auf das ständige Zitieren und Quellenangeben. Und insofern missversteht mich auch mein Proff, wenn ich sach "naja, ich kämpf schon noch arg mit den Formalitäten", und damit eigentlich die digitale wie analoge Verwaltung meine.
Nur: als ich damals die "Apokalypse" volltrunken in die Tasten hämmerte, war das alles etwas strukturlos. Mir fehlten die korrekten Worte. Mir fehlte sogar die Sichtweisenbezeichnung. Das ist heute anders. Heute stehe ich dank zwei interdisziplinären Fächern eine sequenzielle mehrdimensional-semiotische Theorie zu entwickeln, die dem ganzen Wust die Bürste schenken könnte.
Selbst wenn ich niemals Scheffin vonnem Museum werde (da bin ich nicht der Typ für) oder 1000-Stück-Auflage-Bestsellerautorin volkskundlicher Mikrostudien samt Professur (da bin ich erst recht nicht der Typ für und außerdem viel zu alt): das, was ich mir da durch Eigensinn aneigne, kann mir keiner nehmen für die Texte, die in meinen Schubladen vor sich hingammeln und auf weitere Überarbeitung warten.

Eine Welt tut sich auf, das Lied bekommt Töne.
Trotz der permanenten Panikattacken, wenn ich an die Verwaltung nur denke.

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last updated: 10.01.15 22:30
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by wilhelm peter (10.01.15 22:30)
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