Samstag, 4. Oktober 2014
Traumabewältigung und Scheitelhaufen.

Jeder hat ja so seine Traumata, selbst Tommy Krappweis. Und weil DER darüber schreibt ("Das Vorzelt zur Hölle"), dachte ich: mensch, mir gehts da ja eigentlich nich besser. Könnt ich ja auch man tun so.
Und dann fiel mir ein: mist, wenn du jetzt laut rumerzählst, dass du ein kindliches Pädagogentrauma hast (wie vermutlich alle Pädagogenkinder), gibt das wieder Ärger. Wenn Krappweis über seinen Vater herzieht und den Horror des Campens, ist das deutlich was ganz und überhaupt völlig anderes, als wenn ich von meinen Scheuklappen-Erlebnissen, erzwungenen "Ich-Botschaften", familientherapeutischen Gruppensitzungen vor dem Fernseher und Urlauben via Jugendarbeitscamp berichte, die nebenbei noch von durchgeknallten Schul-Lehren (irgendwer ist immer dafür zuständig, hochbegabte Kinder in die Sonderschule verfrachten zu wollen, weil ihnen Muttis Nase nicht passt) berichten oder Kolleginnen von Papi, die im pinkfarbenen Schlafanzug zum Langlaufen kamen, weil das näher am Lila war als an -- ja was eigentlich? Violett? Flieder?
Nicht zu dokumentieren, wie die meisten Pädagogen darauf reagieren, wenn ich zugebe, dass das nix für mich ist: Beleidigtsein ist da überhaupt kein Ausdruck für, aus den nettesten Menschen mutieren augenblicklich beleidigte-Leberwurst-Ignoranten, wenn sie spitz bekommen, dass man Erwachsenenbildung tut. "Naja, da gehen die Leute ja auch freiwillig hin". (Dass ICH mir dann anhören darf "ne, das sehe ich aber ganz anders, ich beschwer mich jetzt bei der Schulleitung" wenn man Lehrern was über die Wirkung von anständiger oder beschissener Schraffur erklärt, lass ich mal aussen vor).
Und wenn ICH jedesmal beleidigt wäre, wenn man mich nur meines Berufes wegen entweder beschimpft oder auf ein Arbeitsfeld degradiert, mit dem ich nu wirklich nix zu tun habe (Künstler, Beliebigkeitsfetischist, Kulturschänder, Thekenkraft), dann wär ich ja DAUERBELEIDIGT.

Glücklicherweise gilt das nicht für alle Pädagogen. Die, welche in der VHS landen, landen dort, weil sie gemerkt haben, auf welch gottgleichem Ross ein Lehrer gerne mal sitzt und ein Abfragesystem klasse findet, dass eigentlich via Genfer Konvention abgeschafft gehört. Oder Pädagogen, die es geschafft haben über sich selbst hinauszudenken. Das gibts. Selten, aber das gibts.
Nur: sagen darf man das nicht. Nicht laut, nicht leise, denn der Feind hört mit. Immer. Vor allem wenn man Schulkinder hat. Oder wenn man wie ich jetzt angefangen hat Museumswissenschaften zu studieren, und Museumspädagogik total scheiße findet und die klassischen Konzepte von Vorgestern über Gestern in chronologischer Folge bis ins Heute, weil der Mensch genau andersrum lernen muss, wenn er einen Bezug zum Gelernten haben soll. Das steht freilich so nich im Lehrbuch, das spricht die Kognitionsforschung, die Neurologie, und letzlich meine eigene Erfahrung als Dozentin. Nur: was im Lehrbuch steht ist leider das, was zählt. Nich Ergebnisse.

Blöd, also schreib ich halt KEIN Buch über meine traumatischen Erlebnisse mit Pädagogen, die mich derart schwer geprägt haben, dass ich Tee nur verkrafte, wenn ich ihn mit Kreativen Geistern trinken kann oder Medizin brauche. Denn "alle haben ein Problem mit denen" sagte man mir heute. Ich würde normalerweise einen solchen Satz nicht einmal wagen zu denken, weil ich von ihnen offenbar umzingelt bin, und Nichtanbetung zu strikter Bestrafung meines Sprösslings oder sofortiger Exmatrikulation führen könnte.
Es hätt glatt ein Bestseller werden können, denn alle Pädagogenkinder (und das sind ne ganze Menge, die hören ja nicht auf sich fortzupflanzen nur weil sie ihr Problem zum Beruf machen) würden mir wahrscheinlich son Ding abkaufen. Aber tue ich es, muss ich soziologisches Asyl beantragen, und da ist dann die Frage wo.

Oweh.
Owehoweh.

Nein, Pädagogen sind toll. Ich wäre auch gerne Pädagoge geworden. Pädagogen sind super. Ohne Pädagogen würde die Welt ins ferne Mittelalter zurückgebombt. Also die Zeit, wo man noch hingerichtet wurde, wenn man anderer Meinung war.

(und in der Tat, mir sind genug Gegenbeispiele bekannt. Leider sind die anderen nicht mit mir verwandt oder die Lehrer meiner Kinder oder nicht meine Dozenten und Komillitonen, auch nicht die Leute von der Uni-Verwaltung. Ergo: die Pädagogen mit denen ich ausserhalb dieses Metiers (sehen wir von Kursen ab) zu tun hatte, mögen sich ruhgen Gewissens zu denen zuordnen, die hier nicht gemeint sind. Also: ihr wisst schon.)

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