Samstag, 10. Mai 2008
Andrezej Wajda: Meine Filme.
Ich kannte Wajda nicht, zugegeben. Polnischer Regisseur, und der einzige wohl heute noch im Westen bekannte Film ist vielleicht "Danton" mit Richard Depardieu als Danton, bevor er mit "Green Card" so richtig berühmt wurde. Titel wie "Asche und Diamant" oder "Kanal" sagen mir garnichts, das muss ich tatsächlich alles mal nachrecherchieren.
Lustig ist allerdings, dass sich eine alte Wahrheit in diesem Buch durchsetzt (wie ja in den meisten guten Filmbüchern): nirgends ist das Leben und die Kunst so wirklich wie im Prozess des Filmemachens. Nirgends braucht man derart gute Kenntnisse der Wirklichkeit und des Menschen wie im Film.
Wajda hat das Buch als Brief an sich selbst geschrieben, und erzählt Dinge, mit denen jemand, der nie selbst am Filmemachen beteiligt gewesen ist, vor Langeweile vermutlich schier eingeht. Es sind nur so Leute wie ich, Kreative halt, deren Diplomarbeit eigentlich ein Film hätte sein sollen. Ich hatte ein Drehbuch geschrieben von einer tauben Frau, die sich in einen Bassisten verliebt, frei nach dem Lied von Grönemeyer, das heut kaum einer mehr kennt: "Der Mann ihrer Träume muss ein Bassmann sein". Der Film wäre schwarz-weiss geworden, und hätte keinen erkennbaren Ton gehabt - nur eben die Vibrationen, wie man sie spürt, wenn der Bass wummert. Eine Liebesgeschichte aus der Sicht einer Frau, die nicht hören kann. Scheiterte leider an der Finanzierung.
Und bei den heutigen technischen Möglichkeiten käm ich zusätzlich auf die Idee, einen Film aus der Sicht einer Blinden zu drehen. Mit THX wär das gar kein großes Problem mehr.
Und wie schon die Macken und Mechanismen von Mensch und Technik auch in Truffauts " Die Amerikanische Nacht" die einzige Rolle spielen, so ist das auch in diesem Buch. Es hagelt dort von Sätzen die in etwa lauten wie folgt: "an einem Schauspieler, der sich zu sehr mit seinem Script auseinandersetzt erkennt man, dass er mit seiner Leistung unzufrieden ist". Bedeutet: wer dazu neigt sich zu verzetteln, ist mit sich selbst unzufrieden. Für mich ein wichtiger Satz, denn ich neige definitiv zum Verzetteln.
Ein anderer Sachverhalt ist ebenso wahr: wer im Vollsuff einen Film dreht, produziert einen Film, den man nur im Vollsuff erträgt. Das gilt für die Kunst generell. Wer beim Schreiben oder Malen oder Musizieren im Vollrausch schwebt, produziert Sachen, die nur Alkoholikergehirne ertragen, oder eben nur für ein besoffenes Publikum erträglich sind.
Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber die Gefahr ist groß. Und Wajda muss es wissen, der hat im Ostblock gearbeitet, und da wird bekanntlich mehr Wodka als Wasser getrunken.
Schönes Buch, vermutlich aber nur für mich.

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last updated: 2008-07-02 05:24
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by ratte (2008-07-02 05:24)
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